Wetterpilze im Stadtbezirk
Ein Interview mit dem Pilzforscher Klaus Herda.

Wer kennt sie nicht, die steingewordenen Pilze – auch Wetterpilze genannt. Doch wer weiß schon, was dahinter steht? Im August diesen Jahres fand die Ausstellung von Klaus Herda „Wetterpilze in Köln und im Rest der Welt“ in der Kunsthalle Lindenthal statt. Die Ausstellung zeigte die zusammengetragenen Ergebnisse aus über 10 Jahren Sammelleidenschaft für diese Kleinbauwerke.

Im Nachgang zur Ausstellung habe ich die „Lindenthaler Wetterpilze“ fotografisch dokumentiert und mit Klaus Herda darüber gesprochen:

lindenthal.blog: Herr Herda, seit 2012 dokumentieren Sie Wetterpilze – wie kamen Sie dazu?

Herda: Am 31. Dezember 2011 nahm ich an einem „Silvester-Lauf“ in der Merheimer Heide teil und kam dort auf jeder Runde an einem Beton-Wetterpilz vorbei. Zu Hause beschloss ich dann zum Jahreswechsel, im Neuen Jahr Köln nach weiteren Wetterpilzen abzusuchen; einfach aus Spaß – sozusagen als Schnapsidee oder um neue Laufstrecken auszuprobieren. Dabei wurde mir schnell klar, dass es unmöglich ist, das alleine zu bewerkstelligen. Dafür ist Köln doch zu groß. Zum Glück meldeten sich nach einem Beitrag in einem Sülzer Blog und einem daran anschließenden Artikel in der Rundschau etliche Kölner mit vielen Standorten und Geschichten zu den Wetterpilzen in ihrer Nähe. Da wusste ich, einer muss einfach mal aus diesen Kleinarchitekturen etwas Großes machen und aller Welt zeigen, wie schön, bizarr und schräg solche Wetterpilze sein können.

lindenthal.blog: Wie sieht es mit der Geschichte der Wetterpilze aus – seit wann gibt es diese Kleinbauwerke?

Herda: Bereits im 18. Jahrhundert sind solche Unterstände in Pilzform in Europa bekannt. In der Geschichte der Gartenkunst findet man dazu frühe Belege. Für mich klingt der Begriff „Gartenkunst“ aber furchtbar langweilig und auch ein wenig dekadent. Denn die Gestaltung von „Gärten“ bzw. Parkanlagen in Europa war ja historisch gesehen ein Privileg des Adels und Staffagebauten fanden sich wenn überhaupt, dann nur in Schlossgärten. Wenn Otto Normalverbraucher ins Grüne ging, dann meistens nur zum Schuften auf dem Feld oder im Wald und ob dort damals pilzförmige Unterstände von Waldarbeitern errichtet wurden ist mir unbekannt. Erst mit Einführung der sog. „Englischen Landschaftsgärten“ im 18. Jhdt. der Zeit der „Aufklärung“ machten sich langsam etwas zivilis